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Der Segelsommer hat begonnen (6.'06)

In diesem Jahr habe ich es wieder geschafft, mich in mein, na, ursprüngliches nicht ganz, aber doch seit vielen Jahren angestammtes Segelrevier zu begeben. Den Ort?, den verrate ich nicht, das ist schon so voll da ;) Soviel: es ist an der Ostsee, und wenn man dort eine Welle in den Mund bekommt, schmeckt das auch salzig.

Freitag

Das Pfingstwochenende startete also mit einer Zugfahrt.. wie so eben die meisten meiner Reisen starten. Nach dem Kauf der Fahrkarte war ich erstmal wieder nicht ganz sicher, wie gut nun die Idee war, zu diesem Zeitpunkt an den ausgewählten Ort zu fahren, aber: ich fuhr .. sonst würde ich diesen Eintrag auch nicht mit "Segelsommer" überschreiben dürfen.

Auf dem Weg las ich viel über Fotografie, vielleicht werden meine Bilder ja noch besser ;)

Angekommen begrüßte ich Ralph, den Segelschulscheff und andere bereits anwesende. Suchte mir ein nettes Bett aus und etwas später begannen wir mit dem abendlichen Ritual: Biertrinken. Diesmal ohne Plöpp und flenszen; dafür war die sich am Horizont abzeichnende Fußball-WM auch hier, kurz vor dem Ende der Welt, zugegen. -- Aber das 'kurz vor dem Ende der Welt' stimmt eigentlich auch schon nicht mehr, auch hier auf dem Gelände laufen einem seit einigen Jahren schon Mobiltelefone und seit etwas später auch Mobilcomputer über den Weg. -- Ja, damals, als der Radioempfang noch wichtig war, da hat man an diesem Ort tatsächlich nicht viel von der Außenwelt mitbekommen und wunderte sich auf dem Weg zurück dann immer, was nicht alles passiert war.. aber dennoch, das Abschalten fällt auch heute hier nicht schwer -- ich bin abgeschweift. Es ist kurz vor der WM in Deutschland und überall befinden sich Fußbälle:

wein Fußball im Wein bier Fußball am Bier

Dieser Abend endete dann mit einem Umzug in ein Bett an einem Ort, wo das Schnarchen weniger laut sein dürfte.

Samstag

Hat auch geklappt, ich hatte meine Ruhe und bin am nächsten Morgen doch einigermaßen munter auf den Beinen und lasse mich im Gleitjollenkurs als Mitseglerin untermischen. Es ist bedeckt und gut Wind, 4 auffrischend 5 heißt die Ansage *weia* und das gleich zum Anfang! Zur Vorbereitung gehört heute ein Spi-Training an Land, bzw. wurde es im knietiefen Wasser begonnen, bis sich der Spi spontan verabschiedete und das Spifall sich in den Mast verzog. Anderes Boot, Spiel von vorne, diesmal ging alles glatt, außer dass das Boot anfing, Dellen zu bekommen ;) die verschwanden dann aber auch wieder.

spi
Spi am Strand

Nun ging es ab in die Segelklamotten. Boot startklar machen und ab aufs Wasser. Wir haben 'Roteckchen', einen der startenden 470er. Meine Mitseglerin und ich waren die letzen, die ihr Boot ins Wasser bekamen, alle anderen waren voraus, dies mussten wir ausgleichen: Wir zogen die erste Kenterung auf unsere Seite, denn das Boot kippte sauber von Slippi und lag im Wasser. ** Gut, das funktioniert schon mal, wissen wir nun, ab aufs Boot und los geht das.

Für mich der Saisonstart und seit langem nicht mehr auf ner Jolle gewesen, das ganze letzte Jahr nicht! Meine Mitseglerin eher Gelegenheitssegler, so alle 5 Jahre.. und wir wollen nen Spi setzen?! heute? ich sage vergisses! Und als meine Rudergängerin sich etwas unsicher verhielt, ließen wir es denn auch und verschoben es auf "möglicherweise später". Ein sauberer Vorwind-Kurs schien auch nicht allzu leicht.. In der Dalbenbucht kurzzeitig ein schöner Halbwind und ich stand jubelnd im Trapez :)

Dann war irgendwie vorbei und es legte uns auch ohne Spi zum ersten, zweiten und auch gleich dritten Mal. Maddel kam an und meinte, wir liegen doch zu häufig und löste den Traveller, damit das Groß in der Wende mehr Spiel hat. Es ging etwas besser, aber wir lagen auch nochmal. Danach war dann Rudergängerwechsel angesagt, ich hatte so langsam nicht mehr die Lust und die Kraft, das Boot immerwieder von unten zu sehen und mehr auf dem Schwert als auf der Bordwand zu stehen. Nun, danach lagen wir nicht mehr, es stand aber auch keiner mehr im Trapez. Als es noch weiter auffrischte, beschloss ich dann doch den Heimweg, denn alleine kann ich die Kiste nicht halten -- meine nun Vorschoterin war doch etwas steif.

So habe ich meinen ersten Segeltag der Saison bestanden -- Premiere, sofort mit Nasssegeln anzufangen.. nehm' ich zumindest mal dieses Revier. Dann Boot abbauen, Bierchen, kein Kippchen, Seemannsgarn mit anderen gekenterten spinnen, duschen -- in Einzelkabinen!

Dann habe ich mit ein paar Leuten die Segelschule landwärts verlassen und habe mich im Ort mit frischen Getränken eingedeckt. Gelbes und grünes: Abends trank ich dann Bier mit Waldmeisterbrause, echt, das schmeckt :) *glaubtmirwiederkeiner* Dabei hockten wir beim Lagerfeuer und verbrannten .. nun .. die Vergangenheit.

feuer1 Leute am Feuer feuer2 Vergehendes im Feuer

Sonntag

Der Sonntag startet irgendwie später als der Samstag, ich habe dann doch ein wenig verschlafen. Nun, wo ich mich so anfühle, bin ich eh nicht segelfähig: ich habe Muskelkater! Gut, ab auf die Terrasse und erstmal Kaffee zapfen und rumhocken, dabei ein bisschen Wachwerden. Maddel wundert sich nicht, dass ich an Land bleibe. Die Gleiter gehen raus und ich schau zu.

richtung Festlegen der Richtung? seewaerts es geht doch seewärts

Heute mach ich mich ein wenig an mein wasserunabhängiges Hobby, das Fotografieren. Und verliere dabei auch noch eine Speicherkarte.. weniger schade um den Speicherplatz (es sind nur 64MB), eher besorgt, was da noch für Bilder drauf sein könnten....

laser Bilderbuchwetter Richtung Wasser segelschule und auch an Land

Etwas später fang ich doch an Segellust zu bekommen, aber das ist mehr theoretisch, also kümmer ich mich um die Möglichkeiten für den nächsten Tag: Welcher 420er ist denn noch da und wäre einsatzbereit. Ach, es juckt mich schon, aber ich lasse es. Der Wind war doch, nun, ein wenig zickig könnte man wohl sagen. Nein, das wär wohl nix geworden. Und die Vorhersage für Montag war vielversprechend: irgendwo 3-4 und vielleicht Fehmarn ansegeln. Und eine Entscheidung musste getroffen werden, denn beide Tage wäre mit meiner Kondition nicht zu schaffen.

Der angedachte Spaziergang fiel dann auch wegen Faulheit aus. Abends sind dann ein paar Leute beim China gewesen. Danach war es fast dunkel und ich war müde, trotzdem endete der Abend erst Stunden später.

Montag

Am Montag hatte ich wohl meinen Rhythmus wiedergefunden, ich war zur Bootseinteilung dabei, aber nebendran und reservierte mir die 'Gretel', zu der ich alles passende gefunden hatte, 'türkis' lag leider schon verkauft auf nem Trailer und stand mir nicht mehr zur Verfügung,, jaja, dachte ich, als ich ihn nochmal besuchte, so geht das, wenn ich 'meine' Boote nicht auch schlussendlich konsequent adoptiere,, und verabschiedete mich.

So setzte ich mich dann mit einem weiteren Kaffe und meinen Brötchen auf die neuen Bänke und beobachtete, wie die 470er nach und nach davonflogen. Bevor ich 'Gretel' nun klar machen konnte, musste sie aus dem Schlaf geholt werden, ich schleppte ein bisschen Kram zum Strand, legte sie mit ein paar kräftigen Helfern näher zum Wasser und ging wieder zu meinem Kaffee, nach einiger Zeit machte ich weiter. Nachdem ich mich dann auch umgezogen hatte, mussten wir erstmal ein paar Schwäne verscheuchen.

schwaene verscheuchte Schwäne gretel und 'Gretel' kurz vor Bereit

Nun noch Segel hoch *anstrengend* und auf! Erst ein bisschen aneinander gewöhnen, mich mal mit dem Traveller verheddern, dann die Fockschot am Mast verklemmen. OK, alles schadfrei Überstanden, die ersten Halsen und Wenden funktionieren, also raus zum Dalben und schaun, wie's wirklich klappt? nein? ja? dochnicht? doch, ich hab's getan! Und es geht _guuut_! Vorwind, ein wenig wackelig, aber gut, Raumwind, schön, Amwind, ui, die Fock ist nicht so ganz durchgesetzt *mist*, na muss reichen und nun mal den Halbwind nen grooßen Schlach! *wuuuua* *wiegeil* schon fast gleitend fahren wir auf die Waderspitze zu, ein wenig Summen in der Ruderanlage, huch? eine summende Jolle, niedlich :) und das Grinsen in meinem Gesicht wird immer breiter.

Der Gegenkurs läuft nicht ganz so schön, aber auch gut, dann ein paar Schläge dieser Art .. einfach nur geil!

Irgendwann muss ich mich dann auf den Rückweg machen, nun ist Arbeiten angesagt, beide Schoten aus der Hand führen, auf die etwas labbelige Fock achten, ein paar Böen ausgleichen und reinkreuzen, da taucht ein großes Ding auf, auch kreuzend, hat mich etwas verwirrt, grad war es noch in der Fahrrinne gewesen.. nunja, alles gut gegangen. Dann noch ne andere Jolle, aber die sind bis auf einmal kurz weit hinter mir.. da hatte sich beim Wenden mal wieder die Fockschot um den Mast, *mist* und flaches Wasser, aberegal, ging wieder alles glatt. Dann die Entscheidung: Schwert etwas hoch und größere Schläge; sie war gut, die andere Jolle blieb weit zurück ;) -- nein, ich messe mich nicht, ich beobachte nur andere Techniken. Nee, Regatta war noch nie mein Fall. Dann Einfahrt zwischen Steg und Mole, ein Aufschießer und das Boot ganz schnell am kaputten Auvi festmachen, die Boje ist belegt, und schnell mal blaseleeren.

danach
'Gretel' in Warteposition

Hm, noch ein Schlag? Nein, das Erlebnis war zu rund. Abbauen, Boot verstauen, duschen. Die Anderen kommen auch langsam wieder. Als ich aus der Dusche komme, sehn 'Gretel' und ich irgendwie aus, als sei nix gewesen.. einmal ;) und dann fragt Maddel auch noch, ob ich denn gar nich raus war.. aber ein solches Erlebnis lässt sich nicht träumen :)

Dann packe ich, esse noch eine Kleinigkeit, verabschiede mich mit einem Blick über die Bucht...

bucht
silbernes Wasser zum Abschied

... und dann geht es auf ins Binnenland in meine Heimat. Auf der Fahrt starre ich oft in den Himmel und grinse wieder.