Der Wetterbericht sollte sich nicht geirrt haben: Am Sonntag sollte sommerliches Wetter sein. Viel Sonne, ein paar verspielte Wolken und kein Regen, den ganzen Tag! Und so war es denn auch.
Da ein kräftiger Wind dafür gesorgt hatte, dass schon die letzten Samstag-Stunden regenfrei waren, machte ich mich am Sonntag besonders früh auf den Weg, das Wetter zu genießen und dem Conti-Gelände einen Besuch abzustatten. Denn wer weiß: für Montag war schon wieder Regen angesagt, und wenn das Wetter nun schneller unterwegs war, als angekündigt .. ich wollte trocken bleiben. Ich packte Cam, u.a. mein neues Objektiv, kaufte am Kiosk noch Verpflegung und zog los.
Leider erschließen sich mir auf dem Gelände kaum mehr die ehemaligen Funktionen der noch dort verbliebenen -- und inzwischen reichlich demolierten -- Maschinen und Häuser. Daher sage ich hier nicht viel zu dem, was ich abbilde.
|
|
|
|
Leer steht das Gelände seit 1999. Der Standort galt als verkehrstechnisch nicht mehr günstig gelegen und die Technik als bereits großteils veraltet. Somit schloss Conti das Werk und hinterließ ein Gelände, dessen Nachnutzung viel diskutiert und geplant, aber bisher offensichtlich nicht umgesetzt wurde. Wasserstadt. Wohnungen. Wo nicht mehr gearbeitet wird, kann man dann wohnen.. auf ehemaligem Bahlsen-Gebiet am Kanal ist das schon erprobt worden. Nun, dort war der Boden wohl weniger belastet als nach einer Reifenfabrik. -- Dies ist meinen Recherchen nach auch das, was die Nachnutzung so verzögert .. die Bodenreinigung und dessen Finanzierung; ebenso aber die Klärung, welche der Gebäude aus Denkmalschutzgründen erhalten bleiben sollen. Naja, und Wohnungsnot herrscht in Hannover nun auch nicht gerade.
|
|
So ist dieses Gelände derzeit von dem ein oder anderen Spaziergänger, Sprayer oder auch Fotografen besucht, generell aber leer. An diesem schönen Sommertag begegne ich einigen Fotografen und nur wenigen Sprayern. Vielleicht liegt es aber auch an der Besuchszeit.
Ich ganz persönlich fänd es ja schön, wenn man einen Park auf der Halbinsel zwischen Leineverbindungs- und Linden-Stichkanal anlegte. Den Turm stehen ließe und vielleicht die ein oder andere Fassade. Zugegeben, auch an Grünflächen mangelt es Hannover nicht, aber: kann man davon zu viel haben?
Das Gelände im Ganzen betrachtet ist in seiner derzeitigen Form tatsächlich nicht sonderlich schön. Nahezu alles ist kaputt, dreckig und in oft mehreren Schichten besprayt. Dennoch übt es einen bestimmten Reiz aus. Vielleicht kann man zumindest punktuell gar doch von schön sprechen. Auch mancher Sprayer ist ein Künstler und wie die Natur sich nach und nach Teile des Geländes wieder einverleibt ist ebenfalls interessant zu beobachten.
Was auch immer in Zukunft hier geschehen mag: auch geplantes passiert, mal steht irgendwo ein Bagger, dann fehlt ein Gebäude und es gibt neue Sandhügel. Irgendwas ist hier in Bewegung, ich weiß nur nicht, was und mit wie viel Hochdruck.
An einigen der neuen Sandberge vorbei gehe ich zum Wasser und genieße die inzwischen nachmittäglichen Sonnenstrahlen.